Virtuelles Klassenzimmer

Das im Jahr 2011 von der Stiftung  „Große Hilfe für kleine Helden“ in Kooperation mit der Hochschule Heilbronn  ins Leben gerufene Projekt „Virtuelles Klassenzimmer“ wurde von den Initiatoren weiterentwickelt.  Ursprünglich waren es zwei Laptops und eine Skype-Verbindung, die es den jungen Langzeitpatienten ermöglichte, die Verbindung vom Krankenbett aus in die Heimatschule aufrecht zu erhalten. Nun steht ihnen ein Telepräsenzroboter zu Verfügung. Dieser Roboter besteht aus einer Art „Mini-Segway“ und ist mit Tablet, Mikrofon und zwei  Kameras ausgestattet. Er  steht in der Heimatschule und lässt sich ebenfalls über eine WLAN-Verbindung  mit einem Tablet vom Patienten selber aus dem Krankenzimmer steuern. Dabei geht es nicht nur um die reine Vermittlung von Lernstoff, sondern auch um die Aufrechterhaltung der sozialen Kontakte zu Mitschülern und Freunden, um nach der Genesung die Wiedereingliederung in die Klassengemeinschaft zu erleichtern.

Stiftung stellt Tablets für die Bethesda-Schule

Lesen Sie hier den Bericht von C. Peterlein, Sonderschullehrer der Bethesda Schule an der Heilbronner SLK-Kinderklink

Vor allem in der aktuellen Zeit der Corona-Pandemie ist die Wichtigkeit eines direkten Schüler-Lehrer-Kontakts in das Bewusstsein der Menschen zurückgekehrt. Dieser ist und bleibt an jeder Schulform unerlässlich, aber vor allem an der Klinikschule ist der Aufbau einer schnellen und verlässlichen Schüler-Lehrer-Beziehung von entscheidender Bedeutung.

Als Ergänzung zu dem direkten Schüler-Lehrer-Kontakt sind die von der Stiftung durch Spenden finanzierten Tablets aus unserer täglichen Arbeit nicht mehr wegzudenken. Sowohl für den Unterricht am Bett für die Kinder und Jugendlichen, die ihr Zimmer nicht verlassen können, als auch für den Unterricht mit den Schülerinnen und Schülern, welche täglich die Unterrichtsräume der Bethesda-Schule besuchen.

Durch den Einsatz der Tablets mit den passenden Lern-Apps ist es möglich, jeder Schülerin und jedem Schüler individuelle Übungen, Wiederholungen sowie Zusatzmaterialien anzubieten.

Außerdem haben wir durch die Tablets die Möglichkeit erhalten, dass die unterschiedlichen Schularten und Klassenstufen gemeinsam an Projekten arbeiten können. Hier sind u.a. das Erstellen von Rätseln, gemeinsame Ideensammlungen sowie das Produzieren von Filmen und Interviews zu nennen.

Während des Homeschoolings hatten viele Kinder und Jugendliche finanziell nicht die Möglichkeit, mit passendem Equipment immer am Unterricht ihrer Schule teilzunehmen. Zumindest für die Schülerinnen und Schüler im Klinikum konnten wir hier mit Hilfe der Tablets Abhilfe schaffen. So war es für alle möglich, täglich am Unterricht teilzunehmen und somit ihre sozialen Kontakte sowie den Anschluss an den Unterricht nicht zu verlieren.

Auch wenn digitales Lernen nicht alles ist, sind wir als Klinikschule sehr dankbar, durch die gespendeten iPads unseren Schülerinnen und Schülern im Klinikum die bestmögliche Beschulung zu ermöglichen. Durch den Unterricht sind wir in der Lage, in der oft schweren und langen Zeit der Behandlung und Therapie einen gewissen Grad an Normalität in ihren Alltag zurückzubringen.

Foto: SLK/Stiftung Große Hilfe für kleine Helden

Dürfen wir vorstellen? Angelinas Avatar.

In den letzten Wochen mussten wir alle erfahren, wie es ist, lange Zeit nicht mehr in die Schule gehen zu können, den Unterricht überwiegend selbstständig von zuhause aus zu organisieren. Für Angelina aus Klasse 10 ist dies bereits seit langer Zeit ein Teil des normalen Schulalltages. Bereits zum zweiten Mal haben wir das große Glück mit der Stiftung „Große Hilfe für kleine Helden“ aus Heilbronn zusammenzuarbeiten. Gemeinsam mit der AIM konnten sie den Einsatz des Avatars möglich machen. Seit dieser Woche kann Angelinas Avatar den Unterricht live in ihr Kinderzimmer übertragen. So kann sie sich ganz normal, mithilfe des blinkenden Kopfes, zu Wort melden und damit ein Teil der Klasse sein. Wir freuen uns sehr für Angelina, die nun die Möglichkeit bekommt, regelmäßig am Schulalltag teilzunehmen und nicht immer alles von zuhause aus alleine erlernen und bearbeiten muss. Für sie ist es bereits jetzt ein großer Zugewinn und lässt sie hoffen, die Oberstufe weitestgehend „normal“ besuchen zu können. Ein großes Dankeschön geht an alle, die uns dabei helfen, dieses Projekt zu verwirklichen: die Stiftung „Große Hilfe für kleine Helden“, die AIM, Herrn Fellhauer für den technischen Support sowie Fabian und Jana, die vor Ort den Avatar betreuen.

Foto: AAG Gymnasium/NoIsolation

Text: Anne Späth

9. Verleihung des Kroschke Förderpreises "Beispielhafte Hilfe für kranke Kinder"

"Große Hilfe für kleine Helden" wurde bei der Verleihung des Förderpreises der Kroschke-Stiftung in Braunschweig für sein Projekt Virtuelles Klassenzimmer ausgezeichnet. Die Kroschke-Stiftung würdigt mit ihrem Förderpreis Initiativen, die sich ehrenamtlich für die Gesundheit von Kindern einsetzen und dabei neue Wege beschreiten. Um den Preis, der alle zwei Jahre verliehen wird, hatten sich 65 Einrichtungen aus ganz Deutschland beworben. „Große Hilfe für kleine Helden“ erhielt gemeinsam mit dem Verein „Anderes Sehen" aus Berlin einen der beiden Anerkennungspreise in Höhe von je 2500 Euro. Der mit 10.000 Euro dotierte Hauptpreis ging an die Kinder- und Jugendhilfe Bremen für ein Assistenzprogramm für an Diabetes erkrankte Kinder.

Die Initiatorin des Virtuellen Klassenzimmers, Dr. Sylvia Bochum, nahm den Preis vor 250 Ehrengästen in der 800 Jahre alten St. Martini Kirche am Braunschweiger Altstadtmarkt entgegen. Das gemeinsam mit Prof. Dr. Martin Haag von der Hochschule Heilbronn (HHN) entwickelte Projekt ermöglicht chronisch kranken Kindern, vom Krankenbett aus am Unterricht ihrer Heimatschule teilzunehmen und den Kontakt zu den Klassenkameraden so ständig aufrecht zu erhalten.

Das erste Kind, das im vergangenen Jahr dieses neue Angebot an der Heilbronner Kinderklinik nutzte, war der 8-jährige Felix, der so trotz des langen Klinikaufenthalts für neun Monate in seine Klasse an der Grundschule Möckmühl eingebunden war. Mit Hilfe des Virtuellen Klassenzimmers gelang es, für Felix auch in der Klinik ein Stück Alltagsnormalität zu schaffen. Die unabhängige Jury des Kroschke-Förderpreises würdigte unter anderem den bundesweiten Modellcharakter, den dieses Projekt auch für andere Kinderkliniken und Institutionen, wo kranke Kinder behandelt werden, haben könnte.